BUCUREST

Die Stadt - Das Panorama

Workshop 21. - 23.04.2007
Konzert 23.04.2007
Workshop 24.-26.04.2007
Konzert 26.04.2007
Die Stadt - Das Panorama


In Bukarest ist Schluss mit der romantischen Folklore Siebenbürgener Sachsen und Banater Schwaben. Kein Make-up.  Die harten Fakten der Metropole zwischen Balkan und Europa, Armut und aufstrebendem Wohlstand, kleinsten Stadtoasen und verkehrsumtosten Straßenzügen.
Boulevards der Begehrlichkeiten, feine neue Läden mit Preisen, die sich dem Durchschnittsverdienst entziehen. Eine Jacke mit dem Preis einer Rente. Scharen alter Menschen, die zu Beginn des Frühlings schon die Heizkosten für den nächsten Winter erbetteln müssen und ihr tägliches Brot. Oft notdürftig kaschiert mit dem Angebot, ein Teelicht zu erstehen - wer Geld gibt, nimmt es meist nicht einmal mit, es wäre wie Mundraub.

Der Verkehr omnipräsent, spätestens ab Mittag mehr sich stauend als rollend, hupend Platz und Bewegung fordernd. Die parkenden Autos in Dreierreihen auf den Straßen und Gehsteigen, selbsternannte Parkplatzverwalter behalten einen nicht nachvollziehbaren Überblick. Etliche eingestaubte Modelle mit platten Reifen deuten auf die Resignation ihrer Besitzer - oder die Freude, endlich einen Parkplatz ergattert zu haben und ihn nun nie wieder aufgeben zu wollen.

Der kleine, überschaubare Teil der Altstadt, dem Abriss- und Grössenwahn Ceausescus entkommen. Gebäude voller Geschichte, aber menschenleer jedes dritte. Baufälliger Zustand, nach den Besichtigungen der Altstadtkerne von Cluj, Temeswar, Sibiu kommt die Ahnung, dass dem Auszug der alten Optiker, Zeitungskioske, Drogerien und entzückenden Ramschläden, der sympathischen Unmoderne die aufgeputzte Fassade westlicher Marken folgen wird.
Alles zum Wohle der Entwicklung, alles zum Wohle der Bewohner .... nur: wo sind die? Auch hier scheint eine riesige Verdrängung in Gange, fast überall der entschuldigende Satz: komm in ein paar Jahren wieder.
Verstehen wir das unter Entwicklung?

Bukarest ist keine charmante Stadt. Spannend vielleicht, entdeckungswürdig, widersprüchlich. Sie wirkt rauh, manchmal roh, das Tempo eher getrieben, selten gemächtlich. Hat ihre zarten Stellen, meist im Anklang an vergangene Zeiten - je weiter  zurückliegend, je weichgezeichneter erscheint ihr Bild.
Eine unglaublich komplexe Stadt. Betonarchitektur des funktionalen Sozialismus, Großzügigkeit des Bürgertums, bröckelnde Bauten, moderne Konsumpaläste. Das Neue nimmt unaufhaltsam Platz, das Alte versucht sich fast widerspenstig zu behaupten.








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